12. Solothurner Kirchenmusikwoche 2012

vom 7. - 13. Oktober 2012

Lobt ihn, mit Blues und Jazz und Sinfonieorchestern (Psalm 150 nach Ernesto Cardenal)

Vom 7.-13. Oktober 2012 führte der Kirchenmusikverband Bistum Basel in Solothurn bereits die zwölfte Ausgabe der SoKiMuWo (Solothurner Kirchenmusikwoche) durch, bereits zum fünften Mal gab es parallel zur Erwachsenenweiterbildung ein Kinder- und Jugendchorlager. 

Dieses Mal stand kein liturgisches Thema im Zentrum, sondern ein musikalisch stilistisches. Ob sich dies auf die geringeren Teilnehmerzahlen auswirkte? Wir wissen es nicht, sind aber überaus glücklich über die gelungene Durchführung der Woche. 16 Kinder, 19 Jugendliche, 50 Erwachsene engagierten sich im Gesamtchor und in den Fachateliers Chor, Kinderchor, Jugendchor, Liturgiegesang und Orgel. Einzelunterricht in Stimmbildung und Orgelimprovisation ergänzte das Programm. Der Gesamtchor studierte die jazzig-bluesige "Missa in tempore incerto" von Christoph Schönherr (*1952) für Chor, Soli, Streichensemble und Band ein. 

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Die täglichen Feiern waren der Tagzeitenliturgie gewidmet. Wir feierten eine Terz, eine Sext, eine Non, eine Vesper und eine Komplet. Am Dienstag fand das Orgelkonzert der Orgelreferenten in der St. Martinskirche Olten statt und am Samstag feierten wir Eucharistie in der Franziskanerkirche Solo-thurn.

Wiederum ist es gelungen, mit der Bistumsleitung zusammenzuarbeiten. Weihbischof Denis Theuril-lat, Präses des KMV Bistum Basel und die Pastoralverantwortlichen Birgitta Aicher und Joachim Köhn hielten jeweils am Morgen einen Impuls zum Psalm 150 – einerseits in der Originalvorlage, andrer-seits in der Version von Ernesto Cardenal, welcher in unserer Thematik zitiert wird: "Lobt ihn mit Blues und Jazz und Sinfonieorchestern". Ebenso getragen fühlten wir uns von unserem Bischof Felix Gmür. Just vor der SoKiMuWo konnte Verbandsdirektorin Sandra Rupp Fischer folgendes Gespräch mit ihm führen.

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Anne- Sophie , 10 Jahre alt, berichtet über das Kinderchorlager
In der letzten Ferienwoche war ich im Lager der Solothurner Kirchenmusikwoche. Nach dem Einsin-gen mit Sandra Rupp Fischer studierten wir während nur vier Tagen mit unserem Chorleiter Roberto Alfarè das Musical Zachäus mit 11 Liedern ein. Wir haben sogar solo singen dürfen. Im Theater spiel-te ich eine Schmugglerin, ausserdem gab es noch den Zöllner Zachäus, Köche, Diener, Mägde und Soldaten. Am Donnerstagnachmittag sangen wir dann das Musical. Die Kirche war voll und es ist sehr gut gelaufen. Roberto hat seine Jugendband mitgenommen. Die haben uns toll begleitet. Es gab ei-nen grossen Applaus mit Standing Ovation. Später am Donnerstagabend haben wir noch einen klei-nen Auftritt gemeinsam mit dem Jugendchor gehabt, nämlich beim Bunten Abend der Erwachsenen. Wir haben als Blues Brothers in weissen Hemden, mit Krawatte, schwarzem Hut und Sonnenbrille gesteppt und den SoKiMuWo-Blues gesungen. Wir waren schon etwas müde, aber es war super. Am Samstag durften wir dann zusammen mit dem ganzen Chor die "Missa in tempore incerto" mitsin-gen. 
Das Geländespiel am Mittwochnachmittag war auch mega toll. Wir mussten unser eigenes Geld vier-dienen (Blues Dollars) und damit Instrumente kaufen. Die Instrumentenverkäufer und die Posten, wo wir Geld verdienen konnten, waren natürlich versteckt, die Suche war spannend. Leider durften wir aber nicht rennen, denn das Geländespiel fand wegen dem schlechten Wetter in der Kanti stattfand und nicht draussen. Auch die SoKiMuWo-Disco gab es wieder. Wir haben viel Licht aufgehängt und eine Nebelmaschine gab es auch. Die Tagesfilme von Lagerleiter Hansjörg Fischer gefielen mir auch gut. Seine Geschichten mit den Leuten aus der Kirchenmusikwoche sind immer sehr lustig – so sagen wir Lagerkinder: "Danke, Simon, dass du das Kinderheim doch nicht abgerissen hast!" 

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Anna-Barbara, 16 Jahre alt, berichtet über das Jugendchorlager
Schon als wir am Sonntagabend von den Blues Brothers in der Kanti, unserem Probelokal empfangen wurden, war das Thema "Lobt Gott mit Blues, Jazz und Sinfonieorchestern" gut spürbar. Den Blues bekam man in den Proben ans Herz gelegt, wenn man mit Vreni Winzeler und Christoph Honegger die "Missa tempore incerto" probte, doch von unsicheren Zeiten war nichts spürbar.
Die Laune war immer recht gut, denn die gute Betreuung durch das Lagerleiterteam sorgte für eine kurzweilige und sehr fröhliche Stimmung.
Unsere Auftritte am Orgelkonzert von Martin Heini und Susanne Z'Graggen mit zwei Improvisationen über "Ich glaube Gott ist Herr der Welt" und "In dir ist Freude"; der Sext am darauffolgenden Tag mit dem Atelierchor; unsere Stepp-, Dance- und Singshow am bunten Abend und natürlich der Gottes-dienst am Samstagmorgen mit der Missa und dem Gesamtchor waren volle Erfolge.
Die Proben waren zwar fordernd, aber dennoch ziemlich lustig, da es unsere zwei Dirigenten sehr abwechslungsreich gestalteten. 
Natürlich trugen einige Running-Gags zur Erheiterung des Lagers bei, wie natürlich die unvergleich-lich epischen Videos von unserem Lagerleiter Hansjörg Fischer. 
So durften wir gemeinsam Gott loben, mit fröhlichem Lärm, und gleichzeitig eine gute Zeit erleben, miteinander in Gemeinschaft, so wie wir es hoffentlich alle in zwei Jahren wieder tun dürfen, wenn es wieder heisst: SOKIMUWO!

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Rita Müller und Sabine Hägeli berichten über das Fachatelier Liturgiegesang
Am Montagmorgen trafen sich im Fachatelier Liturgiegesang zum ersten Mal eine zusammengewür-felte Gruppe von acht Frauen und sechs Männern mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen und Interessen. Von Vornherein war klar, dass bereits am ersten Tag alle ihr Bestes geben mussten, um an selben Abend die Vesper liturgisch und musikalisch zu gestalten.
Die beiden versierten Kirchenmusiker Hansruedi von Arx und Udo Zimmermann verstanden es auf Anhieb, "unser Klagen in Tanzen zu verwandeln…"
Der ruhige Hansruedi, der offizielle Chef mit momentanem "Fingerhandicap 1", überliess oft dem vor Ideen sprühenden Udo die Leitung. Zum Glück konnte dieser die Klaviertasten mit allen zehn Fingern bearbeiten. Von Beginn weg wusste er uns zu begeistern und konnte uns so in die nötige "Swing-ung" versetzen.
Die Vesper fand im Kloster Visitation statt und wurde vor allem von vielen SoKiMuWo-Teilnehmern und den Klosterfrauen besucht. Das Feuer der "neuen" Rhythmen sprang von Udos Fingern via Key-board und Sängerinnen und Sängern schnell über auf alle Gottesdienstbesuchenden.
In den nachfolgenden Fachateliersstunden arbeiteten wir an verschiedenen Interpretationen von bekannten Psalmen im KG und im Grazer Psalter, aber auch an Taizé- und Rise up-Liedern.
Unser herzlicher Dank gebührt den sehr sympathischen und authentischen Lehrkräften, die uns er-muntert haben, auch Neues zu wagen und so ab und zu neuen Schwung in die Gottesdienste zu brin-gen. Denn es ist klar: auch Jazz, Blues und Swing haben ihren Platz in der Liturgie…. "Dir singt mein Herz und will nicht verstummen. Dir will ich singen in Ewigkeit!"

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Eine Crew des Orgelateliers fasst zusammen
Die Vorbereitung auf die SoKiMuWo begann für uns Organisten bereits 3 Monate zum Voraus mit dem Üben der ausgewählten Orgelstücke.
Zu Beginn der Woche sind unsere Gefühle gemischt. Es herrscht eine gespannte, leicht nervöse Stimmung. Bei den verschiedenen Orgellehrkräften merken wir aber sehr schnell, dass wir nur profi-tieren können.
Von Suzanne Z'Graggen lernen wir, wie man die Zungenregister stimmen kann und sehen, wie das Rossignolregister (Vogelgezwitscher) funktioniert. Die französische Musik begleitet uns. Wir hören, wie man diese korrekt und der Zeit angepasst spielt, und dass die Inégalität nur mit einer gewissen "Schlamperei" erreicht werden kann. Ihre Begeisterung für die Orgeln wirkt ansteckend. 
Bei Dieter Hubov geht es um die Improvisation. Es sieht alles so einfach aus, wenn er spielt. Ein musi-kalisches Feuerwerk. Seine Vergleiche der Musik mit dem Essen lässt uns schmunzeln. Und so würzen wir nun unsere Intonationen kräftig mit Thymian, Pfeffer und Salbei.
Martin Heini erweitert unseren Horizont bezüglich der Literaturwahl für die Orgel. Tangos und Sam-bas bereichern einen Gottesdienst. Wir lernen darauf zu achten, das Pedal gezielt, aber ohne Kraft zu spielen und wissen nun, dass die Tasten nicht geschlagen werden wollen. Der Seiltanz auf den Tasten soll uns helfen, mit viel Gefühl schnelle Passagen zu spielen. 
Während der Woche verändert sich die Stimmung in eine sehr vertrauensvolle, begeisterte, lockere und lernfördernde Atmosphäre. Jeder hilft jedem, muntert auf und unterstützt, wo er kann. Dies macht Mut, sich ohne Druck auf all die Möglichkeiten einzulassen, die uns geboten werden. Wir ge-niessen den Austausch unter Gleichgesinnten, da wir normalerweise an unseren Instrumenten eher einsam sind. Solothurn ist nicht nur die "schönste Barockstadt der Schweiz", sondern hat auch die schönsten Orgeln! Herzlichen Dank, dass wir darauf spielen durften!

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Ende des Rapports eines schwatzhaften Nachrichten-Engels über die Vorkommnisse während der Woche 41/12
....und noch was, Chef: Also, ich weiss, eigentlich haben Sie mich ja nicht gefragt... aber das muss ich Ihnen noch erzählen - ist mega wichtig. Ok, zugegeben, ich habe gelauscht! Aber unfreiwillig - wirk-lich! Echt wahr jetzt - ich konnte ja gar nicht anders - die waren ja dauernd am Singen - Weghören sozusagen unmöglich - fragen Sie nicht! Und was kann ich dafür, wenn ich dazu verpflichtet bin, auf meiner Wolke 4500 infolge Tiefdruckrinne über Solothurn eine Woche zu kreisen? Also wirklich! Das Wetter ist ja Ihre Baustelle, nicht meine! Aber interessant: Ich habe mich eigentlich keine Sekunde gelangweilt. Weil: Lauter glückliche Menschen. Ist schon eine erstaunliche Sache diese Singerei. We-gen Ihrem Wolkenstau hatte ich das Vergnügen, über der Kanti Solothurn stecken zu bleiben. Zuerst habe ich gedacht: Ach, Schule - zum Gähnen, diese Teenies - nur cool und so, das kann's ja nicht sein. Aber dann war das echt spannend, weil, nix Schule und büffeln. Sondern SoKiMuWo. Quatsch, das ist keine neue asiatische Automarke - das ist diese Fortbildungswoche des KMV des Bistums Basel. Chef, echt jetzt: Ich war ja in einem früheren Leben auch mal Tenor. Aber zu unseren Zeiten gab's halt erst Händel, Bach und Mozart - schon auch tolles Zeugs. Zugegeben. Aber was die heutzutage singen, das ist also - man muss das neidlos zugeben - auch nicht von schlechten Eltern: Eine Jazz-Messe haben die geprobt, so Swing und Latin und Blues und alles Mögliche, schon recht cool. Also und voll zu Ihrer Ehre, Mann! Im ersten Moment war ja der Chor noch ziemlich am Anschlag - Reizüberflutung und Rhythmuschaos, keine Frage. Aber die Dirigenten haben dann recht schnell Ordnung gemacht und die so richtig drangenommen. Und dann sind die voll drauf abgefahren. Vor allem, als das junge Volk noch dazu gekommen ist und den Erwachsenen um die Ohren gesungen hat. Voll mitgezogen, Hut ab, da gibt's nichts zu meckern. Und am Schluss haben die drei Tenöre denen dann voll den Marsch geblasen. War echt der Hammer. Ich war fast enttäuscht, als Sie den Westwind auffrischen liessen und mich in Richtung himmlische Gefilde davongetragen haben. Ok, man hat ja seine Verpflichtun-gen. Ich möchte aber klar bemerkt haben: Also rein musikalisch gesehen gibt's da in Ihrer Firma im Downtown ein paar echt coole Typen. Ja, jaaa... ich gehe ja schon! Aber merken Sie es sich, Chef! 

Ja, es war eine tolle Kirchenmusikwoche. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, wel-che die 12. Solothurner Kirchenmusikwoche ideell und finanziell unterstützten! 

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