9. Solothurner Kirchenmusikwoche 2006

vom 8. - 14. Oktober 2006

Halleluja
7 x 7 - die Tage von Ostern bis Pfingsten

Rückblick auf die 9. Solothurner Kirchenmusikwoche
in der Kantonsschule Solothurn und in den Solothurner Kirchen.

 

Ostern im Herbst ob das aufgehen kann?
Wir haben's gewagt und gemerkt, es kann! Die Botschaft der Auferstehung mit dem Lobpreis "Halleluja" begleitete uns durch die ganze Woche und bereicherte in allen Bereichen.

Erwachsenenfortbildung
Die Solothurner Kirchenmusikwoche 2006 startete mit dem obligaten Einstieg am Sonntag: Apéro, Begrüssung, Vorstellen aller Mitwirkenden. Mit einer musikalisch bewegten Feier, gestaltet von Christoph Honegger (Panflöte), Hansruedi von Arx (Piano) und Brigitta Biberstein (Liturgischer Tanz), die mit viel Geschick zu bekannten KG- und ru-Liedern einfache, aber tiefgreifende Bewegungsformen einführte, erlebte die Kirchenmusikwoche einen ersten Höhepunkt. Beschwingt, aufgestellt und erwartungsfroh strömten die TeilnehmerInnen auseinander, alle gespannt auf den Atelierstart am Montag.

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Fachatelier Chor

Die Kurstage begannen nun immer nach demselben Muster. Vreni Winzeler weckte auf ansprechende Weise die Stimmen der 85 erwachsenen Gesamtchormitglieder. Dr. Gunda Brüske (wissenschaftliche Mitarbeiterin des liturgischen Instituts Freiburg) setzte mit ihren fundierten Morgenimpulsen zu österlichen Themen wie: "Halleluja", "Ostermorgen: Leben und Tod" oder "Osterpsalm" theologische Schwerpunkte zur Osterzeit. Die folgende Gesamtchorprobe unter der Leitung von Christoph Honegger widmete sich ganz den österlichen Chören aus Händels Messias und dem Credo "Summa" von Arvo Pärt. Beide Komponisten verlangten Grosses von unserem Gesamtchor. Händel wohl v.a. durch die englische Sprache, Pärt durch die eher ungewohnte Tonsprache. Doch das Ziel war klar: Am Samstag durften diese beiden Werke im österlichen Festgottesdienst, begleitet von einem Ad-Hoc-Orchester, welches auf Instrumenten alter Mensur spielte, erklingen.

Nach der Gesamtchorprobe teilte sich dann die Teilnehmerschar in ihre Fachateliers auf. Zwei Gruppen widmeten sich dem Dirigieren unter der Leitung von Raphael Immoos und Martin Hobi. Die Organisten, welche von Martin Heini und Hansruedi von Arx angeleitet wurden, machten sich auf den Weg zu den Solothurner Kirchen und deren Orgeln. Die Katechetinnen arbeiteten zum Thema Erstkommunion mit der Gemeindereferentin Elisabeth Färber und die TeilnehmerInnen des Chorateliers probten unter der Leitung von Vreni Winzeler weitere Messias-Chöre sowie das Magnificat von Arvo Pärt.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen in der Mensa der Kantonsschule hatten die Teilnehmenden auch die Möglichkeit, so genannte Freiateliers zu besuchen. Sie konnten sich eine Stunde einem Thema widmen, das sie eben gerade jetzt interessierte. Das Angebot war vielfältig: besuchten die einen die Noten- und Rhythmuslehre, zog es andere mehr zu einer Vertiefung der Pentekoste-Thematik. Die Angebote "Mozarts liturgisches Korsett! – Korsett?!" und "Offene Tore München" weckten schon durch ihre Titel viel Interesse und "action&reaction" ist seit Jahren ein Renner. Das Freiatelier "Liturgischer Tanz" war sogar mit einer besonderen Aufgabe bestückt. Es standen zwei Feiern an, bei dem dieses Atelier mitwirkte. Nach den Freiateliers ging es wieder in die Fachate-liers.

Gottesdienst und Konzerte
59Die Kurstage schlossen jeweils mit einer Feier, resp. mit einem Konzert ab. Diese Veranstaltungen sind für die Solothurner Kirchenmusikwoche ebenso bedeutsam, wie der Gesamtchor oder das Fachatelierangebot. Denn perfektes Orgelspiel und präzises Dirigat zeichnen noch keinen Kirchenmusiker aus - auch hat ein Kirchenchor ohne Liturgie kein Bestehen.
Verbandspräses Thomas Rey, Foto: Oliver Menge, Solothurner Zeitung

In diesem Sinne feierten wir am Montagabend eine Ostervesper im Kloster Visitation. Kantoren- und Gemeindegesänge, Orgelspiel und Text ergänzten sich zu einem Ganzen. Am Dienstagabend fand in der St. Martinskirche Olten mit ihren beiden Mathis-Orgeln, das Orgelkonzert statt. Es spielten unsere Orgelreferenten Hansruedi von Arx und Martin Heini sowie Bruno Sauder. Bereichert wurde das Konzert durch die Schola, Gemeindegesang und das Freiatelier "Liturgischer Tanz". Werke von Scheidt, Tournemire, Bach, Bartmuss, Guilmant, Rutter und Messiaen brachten die Osterbotschaft zum Ausdruck. Die Ostersequenz "Victimae paschali laudes" und der Hymnus " O filii" standen dabei im Zentrum. Ein Konzertabend auf höchstem Niveau beglückte das Publikum, welches die Aufführenden mit einem entsprechenden Applaus verdankte.
Am Mittwochmittag feierten wir im Herzen von Solothurn, in der Jesuitenkirche, eine Magnificat-Besinnung. Der Fachatelier-Chor überzeugte mit dem Magnificat von Arvo Pärt – erstaunlich, was in drei Probetagen entstanden war. Wiederum war das Freiatelier "Liturgischer Tanz" mit von der Partie und setzte das Orgelstück "Meine Seele preist den Herrn" von J.S. Bach in Bewegung um. Thomas Rey, unser Verbandspräses, betete mit der Gemeinde und richtete seine Gedanken an sie.

Dann ward es Donnerstag und Freitag - Grund, einen weiteren Bereich der Solothurner Kirchenmusikwoche zu beleuchten.

Kinder- und Jugendchorlager
51Lagerleben, Foto: Beat Mathys, Solothurner Tagblatt

Neben der Erwachsenenfortbildung bietet der Kirchenmusikverband Bistum Basel (Organisator der Solothurner Kirchenmusikwoche) bereits zum zweiten Mal ein Kinder- und Jugendchorlager an. Dieses Jahr war das Lager bis auf den letzten Platz ausgebucht. 55 Kinder und Jugendliche im Alter von 7-16 Jahren aus verschiedensten Regionen des Bistums erlebten unter der Lagerleitung von 8 kompetenten Erwachsenen sowie einer Chorleiterin und einem Chorleiter eine äusserst abwechslungsreiche Woche. Die Kinder probten jeweils am Morgen und am Nachmittag zwei bis drei Stunden. Danach war Lagerprogramm angesagt.

Am Donnerstag gestaltete der Kinderchor unter der Leitung von Cordula Bürgi in Zusammenarbeit mit Elisabeth Färber und Sandra Rupp Fischer einen Familiengottesdienst zum Thema "Komm, bleibe bei uns" im Kloster Namen Jesu. Der Kinderchor studierte dazu die Vertonung des Evangeliums "Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus" (Lk 24, 13-23) von Donat Schilter ein. Ein Werk für Chor, Solisten, Trompete und Orgel. Die Kinder musizierten zudem mit ihren Instrumenten, sangen auch Solopartien und überzeugten mit ihrem engagierten und wachen Auftreten. Die weiteren Lieder im Gottesdienst wurden von einer kleinen Band begleitet. Im Zentrum der Feier stand die Brotteilung. Erwachsene und Kinder teilten Brot, sangen und dankten für diese Gabe.

Im Anschluss fand der obligate Bunte Abend statt. Mit einem festlichen Nachtessen und zahlreichen Darbietungen aus den Reihen der Kinder und Jugendlichen, TeilnehmerInnen und ReferentInnen gab es zur Freude aller Anwesenden ein reichgefülltes, hochstehendes Rahmenprogramm.

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Jugendchor während der Afro-Hour

Am Freitagabend fand in der Peterskapelle die Afro-Hour, ein Afrokonzert, des Jugendchors unter der Leitung von Thomas A. Friedrich statt. Ein wahres afrikanisches Feuerwerk! Der Chorlei-ter arbeitete zudem mit einem Trommler und einer Afro-Tänzerin zusammen. Der Jugendchor inszenierte sämtliche Songs, alles geistliche Lieder Afrikas, meist in dreistimmigen A-cappella-Arrangements, mit Soloparts, Schrittfolgen, Trommel- und Tanzeinlagen rund um die Osterkerze, welche in der Mitte der Kapelle stand. Die ZuhörerInnen sassen erst rundherum, doch überzeugten die Jugendlichen derart, dass schlussendlich auch sie vom afrikanischen Feuer angesteckt wurden und mittanzten.

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Gesamtchor mit Orchester im Schlussgottesdienst, Foto: Maddalena Tomazzoli, Solothurner Zeitung

Am Samstag folgte dann der Höhepunkt der 9. Solothurner Kirchenmusikwoche. Der festliche Ostergottesdienst in der Franziskanerkirche. Der Gesamtchor mit allen Kindern und Jugendlichen sang, wie schon erwähnt, Chöre aus Händels Messias. Die Verbindung Kinder-Jugendliche-Erwachsene gelang optimal und war für alle Beteiligten ein Erlebnis. Die beiden Werke "Summa" und "Magnificat" von Arvo Pärt ergänzten das barocke Programm optimal. Da der Gesamtchor nicht alle musikalischen Elemente mittragen konnte, übernahm der Fachatelierchor einzelne Partien. Als Hauptzelebrant feierte Bischofsvikar Hans Zünd zusammen mit Verbandspräses Thomas Rey, allen Musizierenden und der grossen Gottesdienstgemeinde einen wahren Ostergottesdienst.
Bei frohem Eiertütschen mit original handgefärbten Ostereiern verabschiedete man sich und ging, überzeugt, dass Ostern unhabhängig von Frühling, Sommer, Herbst und Winter gefeiert werden kann, glücklich und zufrieden, allenfalls etwas müde, nach Hause.

Ich danke an dieser Stelle allen Beteiligten der Solothurner Kirchenmusikwoche für die gute Zusammenarbeit, welche massgeblich zum guten Gelingen der Woche beigetragen hat.

Lesen Sie nun einige Rückmeldungen aus den Fachateliers und machen Sie sich ein Bild, wie die KursteilnehmerInnen die Woche in Solothurn erlebt haben.

Sandra Rupp Fischer, Verbandsdirektorin des KMV Bistum Basel

Fachatelier Chor
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Fachatelier Chor, Foto: Oliver Menge, Solothurner Zeitung

Als Chorsänger habe ich diese Woche wirklich viel gesungen - im Gesamtchor, bei den Feiern und eben im Fachatelier. Zwar singe ich als Pfarrer in der Pfarrei und als Mitglied einer Priestergruppe auch sonst oft und gern; dennoch war die Kirchenmusikwoche eine echte Herausforderung.
Die Hauptwerke im SoKiMuWo-Chor waren zwei Händelchöre aus dem "Messias" - "Glory to God” und "Behold the Lamb of God” - sowie das "Magnificat” (1989) von Arvo Pärt.
Händel habe ich vor etwa 25 Jahren einmal im damaligen Kanti-Chor mitgesungen. Seither hörte ich vor allem noch das Halleluja an Ostern vom Kirchenchor gesungen. Also habe ich am Montagmorgen in Solothurn sozusagen von Null angefangen, zumal in der englischen Originalsprache. Zum Glück gab es im SoKiMuWo-Chor offensichtlich auch erfahrene Händel-Chorsängerinnen und -Chorsänger, sodass das Singen von Beginn weg Substanz hatte und ich mich musikalisch an die andern Bassisten anlehnen konnte. Überhaupt waren wir mit 38 angemeldeten Teilnehmer/innen, darunter 12 Männer und eine ganze, fünfköpfige Familie, ein recht ansehnlicher Chor.
Das zeitgenössische Magnificat muss man fast selber singen und "wachsen" lassen, damit man es "gern bekommt". Faszinierend wurden dann die ungewohnten und auch nicht ganz leichten Chorklänge. Die Basseinsätze - obwohl fast durchwegs im gleichen Grundton - waren für mich, teils bis am Schluss der Woche, ein "Risiko". Erstaunlich dafür die Erfahrung - fast noch mehr im Gesamtchor bei "Summa" des gleichen Komponisten -, dass bei Konzentration auf den Textinhalt, auch die Melodie besser gelingt. Arvo Pärt hat offensichtlich versucht, den Textinhalt in Musik umzusetzen!
Zum Fachatelier-Erlebnis dieser Woche gehörten natürlich noch einige kleinere, geistliche und weltliche Gesangsbeiträge unseres Chores und vor allem die Einsing- und Zwischen-"Übungen", die unsere Leiterin, Vreni Winzeler, mit uns praktizierte. Eine davon (Rhythmus-Kanon zu "Vom Aufgang der Sonne") konnte ich bereits bei unserem Ministrantenfest mit Erfolg einsetzen.

Pius Troxler, Kursteilnehmer

Fachatelier Dirigieren
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Raphael Immoos

Unglaublich, was man in einer Woche alles lernen kann!
Die zehn Kursteilnehmerinnen, die schon etwas Erfahrung im musikalischen Leiten mitbrachten, wurden von Raphael Immoos betreut und die elf, die die ersten Schritte im Dirigieren wagten, nahm Martin Hobi unter seine Fittiche. Ich spreche von Kursteilnehmerinnen, da ist aber Marco, unser Hahn im Korb, immer mit eingeschlossen. Damit ist schon gesagt, dass offensichtlich mehr Frauen dirigierende Weiterbildung für sich beanspruchen.
Ja, was wir alles lernten! Wir übten klare Grundschläge, verschiedene Taktarten, wechselnde Taktarten, fliessende Bewegungen, leiseste Pianissimos und lauteste Fortissimos anzeigen, Text dirigieren, gute Körperhaltung, richtiges Atmen, das Wechseln vom Taktieren zum Dirigieren, subtiles Zeichnen im Sand, feines Trommeln auf der Küchenkombination, versteckte Dreier, klopfende Herzen in den Griff zu bekommen, Stress abbauen, Partituren einrichten, exakte Einsätze zu geben auf jede Taktzeit, den Schlussakkord abwinken oder wegschlecken, und als Höhepunkt am Freitag durften die von Raphael Geleiteten ein Streichquintett dirigieren! Sie gehorchten uns auf den Schlag!!
Jeden Nachmittag arbeiteten beide Gruppen zusammen, so wurde der Chor, aber auch die Herausforderung grösser.
Wir übten an Sätzen und Antwortpsalmen aus dem Kirchengesangbuch und aus verschiedenen Gottesdienstmusiken, an den Tänzen von Wilhelm Killmayer (einem offenbar sehr facettenreichen, ev. nervösen Mann, denn keine zwei Takte nacheinander hatten die gleiche Taktart), an Händels Messias, an Arvo Pärts Magnificat.
Lea Scherer, Raphaels Assistentin, sass am Flügel und markierte das Orchester - egal in welcher Taktart oder welchem Tempo - sehr gekonnt. Unsere beiden hervorragenden und kompetenten Kursleiter holten jede der Teilnehmenden dort ab, wo sie sich dirigentisch gerade befand und führten auch jede ganz individuell einige Schritte weiter. Mit viel Einfühlungsvermögen, köstlichem Humor, verständnisvoll, aber absolut fordernd und ohne je taktlos zu sein, wurden wir pädagogisch sicher um Klippen geleitet, die wir zielstrebig immer wieder anpeilten. Die Kursatmosphäre war immer sehr gut! Wer fand, für sie sei nun das Tempo doch etwas forsch, durfte die Bremse anziehen, oder eben – im umgekehrten Fall – erhöhen.
Fazit: Ein Kurs, der ohne weiteres pro Tag eine Stunde länger hätte dauern können. Wir sind alle sehr begeistert und bedanken uns bei Raphael und Martin von ganzem Herzen! Wir werden bei unseren dirigentischen Einsätzen an euch denken und auf jeden Fall sicherer und mit grösserer Kompetenz agieren als vor der SOKIMUWO 2006!

Ursula Sinniger-Mangold, Kursteilnehmerin

Fachatelier Orgel
Im Orgelatelier nahmen fünf Organistinnen und zwei Organisten teil.
Wir hatten die einmalige Gelegenheit verschiedene Orgeln in Solothurn kennen zu lernen: In der Kathedrale die Hauptorgel und die Chororgel sowie die Orgeln der Franziskanerkirche und der Jesuitenkirche. So konnten wir die verschiedenen Orgelbau - Epochen und ihre Musikstile am entsprechenden Instrument ausprobieren.
Martin Heini und Hansruedi von Arx erklärten uns mit viel Engagement und Kompetenz die Unter-schiede, Vorteile und Möglichkeiten von historischen und modernen Orgeln.
Ebenso engagiert und kompetent erlebte ich die beiden Organisten in den intensiven Orgelstunden. Ob Interpretation, Dynamik, Übungstechnik, Anschlagtechnik, Begleitung von Psalmen oder KG-Begleitungen, sie gaben uns viele gute Tipps und neue Motivation auf den Weg. Ihr Einsatz war das beste Fundament für die offene und kreative Stimmung die im Atelier zu spüren war. Der Raum und die Atmosphäre war dadurch gegeben, verschiedenes auszuprobieren, miteinander und voneinander zu lernen und aus Freude an der Musik zu Spielen.
Wir danken den beiden Atelierleitern auch an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich.

Schwester Mirjam Oeschger, Kursteilnehmerin

Fachatelier Katechese
"Brot, Brot! - Danke für das Brot! Brot zum Leben. Danke guter Gott!" Noch klingt das Lied, das wir auch im Gottesdienst am Donnerstag mit dem Kinderchor gesungen haben, in mir nach. Genau-so klingt die ganze Woche in mir nach, sie war musikalische und geistige Nahrung in der Arbeit als Katechetin.
Sandra Rupp Fischer hat in jedem Block ca. 30 Min. mit uns Lieder gesungen, die sie zum Thema passend ausgesucht hat. Dabei hat sie auch immer aus ihren reichen Erfahrungen mit dem Kinderchor erzählt, und wir haben sogar ein wenig Dirigieren geübt!
Dann hat Elisabeth Färber übernommen, sie hat uns sehr persönlich und praxisnah durch verschie-dene Aspekte der Erstkommunion geführt, und dabei immer das Wesentliche im Blick gehabt. In den 9x2 Stunden haben wir viele neue Ideen, Geschichten, Methoden, Gedanken und persönliche Erlebnisse gesammelt.
Am Schluss haben wir festgestellt, dass Katechese, Religionsunterricht, eigentlich wie Singen ist, und dass das Bild von Vreni Winzeler aus dem Einsingen wunderbar passt: Wir müssen nicht wie wild strampeln und "action" machen, um im Wasser nicht unterzugehen; es bringt auch nichts, starr und steif wie "das tote Männchen" auf der Wasseroberfläche zu liegen, und eigentlich möchten wir auch nicht immer mit dem Strom schwimmen. Wenn wir uns auf das Wesentliche im Herzen (hinter dem Brustbein) konzentrieren, trägt es uns wie eine Boje; wir werfen den Anker zum Grund, zu unserem Gott, und in dieser Haltung können wir locker agieren, motivieren, singen, dirigieren, un-terrichten, Gottedienst feiern, etc..
Nun warten die Ideen darauf, umgesetzt zu werden, die Lieder wollen erklingen, das Brot möchte geteilt werden, und wir machen uns mit neuer Motivation und neuem Schwung an die Arbeit!

Franziska Senn, Kursteilnehmerin

Liturgischer Tanz
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Liturgischer Tanz, Foto: Oliver Menge, Solothurner Zeitung

Erstmals seit längerem wieder fand das bewegte Gebet Eingang in die Solothurner Kirchenmusikwoche, diesmal als Freiatelier. Ein ‚bewegter Einstieg’ am Sonntagabend ermöglichte allen Teilnehmenden, den gemeinsamen Weg in die Woche meditativ und froh unter die Füsse zu nehmen. Mit Fröhlichkeit, wechselnden Rhythmen und Liedern entstanden schnell erste Begegnungen. Mehrstimmige Lieder/Kanons und einfache Tänze liessen Freude und Lust aufkommen auf die gemeinsame Woche und eine eventuelle Teilnahme am ‚Liturgischen Tanz’.
In je einer Stunde am Montag- und Dienstagnachmittag war dann eine 8-köpfige Gruppe am Einüben von zwei Tanzgebeten zu Orgelklängen von J.S. Bach.
Dienstagabend, Orgelkonzert in der Kirche St.Martin in Olten: Das KG-Lied Nr.436 "Christ ist erstanden" erhielt vor jeder der 3 Strophen ein georgeltes und getanztes Vorspiel (BWV 627), bevor anschliessend jede Strophe von der Gemeinde gesungen wurde. Eine wunderschöne Möglichkeit, den Weg vom Dunkel ins Licht und in die Auferstehung sichtbar zu machen.
Am Mittwochmittag durften wir in der Jesuitenkirche in Solothurn die Marienfeier am Mittag tanzend umrahmen mit "Meine Seele erhebt den Herrn", BWV 648. Durch die Motiviertheit von Teilnehmerinnen und einem Teilnehmer, sich ganz auf dieses bewegte Tun einzulassen, entstand ein inniges und beglückendes Gebet.
Das Freiatelier am Donnerstag dann diente dem Kennenlernen einer Vielfalt von getanzten Liedern und Gebeten aus KG und rise up für den Gebrauch in Gottesdiensten. Erstaunlich war auch hier, was innert nur einer Stunde möglich wurde! Abgegebene Tanzschriften werden zuhause erinnern helfen, und es ist zu hoffen, dass hier und dort ein erlebtes Element Einzug halten wird in eine Feier oder einen Gottesdienst. Besonders ermutigend ist, dass auch Priester sich auf dieses ganzmenschliche Beten mit Leib und Seele einliessen und Freude daran bekundeten. Dies stimmt zuversichtlich, denn sie können Wesentliches zu einer bewegten und lebendigen Kirche beitragen und zulassen.

Brigitta Biberstein, Ausbildnerin und Leiterin für Liturgischen Tanz

Fachatelier Kinderchor
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Kinderchor

Am Montag begrüssten uns Cordula und Thomas. Cordula war die Dirigentin vom Kinderchor. Sie erklärte uns, dass wir jeden Morgen eine halb Stunde zusammen mit dem Jugendchor üben würden. So fingen wir mit einem Afrikanischen Lied an für den Bunten Abend. Später gab es noch ein Halleluja und andere Stücke von Händel und schon war die halbe Stunde vorbei. Jeden Tag probten wir nun eifrig für unseren Gottesdienst. Von 10:00 Uhr bis um 11:45 Uhr probten wir am Morgen, danach gingen wir in der Mensa der Kanti essen. Am Nachmittag hatten wir ab 13:30 Uhr Probe bis um 15:30. Uhr. Jeden Tag ging das so, ausser am Mittwoch, da hatten wir am Nachmittag ein Geländespiel. Sowieso hatten wir es auch nach den Proben im Lager immer toll. Es gab z.B. ein Sportabend und ein Wohlfühlabend, eine Disco und ein Nachtspaziergang in der Verenaschlucht.
Endlich kam der Donnerstag. Alle waren aufgeregt vor allem Cordula. Um 16:00 Uhr trafen wir uns dann um vier Uhr in der Kirche und übten eifrig. Um ca. 17:00 Uhr durften wir dann noch eine Ba-nane essen und mussten das T-Shirt anziehen. Da ging es bald los – viele Leute strömten herein - nur noch wenige Minuten. Dann war es soweit: wir sangen alles durch ohne Probleme, am Schluss klatschten alle Leute und wir bekamen viele Komplimente. Am Samstag ging es genauso gut und wir mussten einfach viel weniger singen. Es war ein SUPER Lager!

Natalia aus Dachsen, 11 Jahre alt

Fachatelier Jugendchor
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Jugendchor

Am Sonntagabend trafen wir uns mit unseren Kollegen, Kolleginnen und Lagerleitern und Lagerleiterinnen bei der Kantonsschule in Solothurn. Dort wurden wir in zwei Chöre eingeteilt, den Kinderchor und den Afro-Chor. Anschliessend bezogen wir unsere Matratzen im Pfadiheim, wo wir die ganze Woche übernachten konnten.
Am Montag begannen wir zu proben. Jeden Tag sangen wir uns zuerst ein und übten für den Ostergottesdienst vom Samstag etwa eine halbe Stunde. Danach übten wir vier Stunden Afromusik für unser Konzert.
Am Dienstag kamen eine Frau aus Ghana und ein Trommelspieler zu uns. Mit ihnen studierten wir zwei Lieder und zwei Tänze ein. Einmal tanzte die eine Gruppe und die andere trommelte, danach tauschten wir. Diese Tänze tanzten wir dann auch am Konzert.
Unser Höhepunkt war am Freitag: Wir führten das Gelernte an unserem Konzert in der St. Peterskappelle in Solothurn vor Publikum vor. Es war super und am Ende durften wir sogar Zugaben von 20 Minuten spielen. Fast alle Zuhörer tanzten und sangen am Schluss mit uns mit!
Am Samstag durften wir dann noch den Erwachsenenchor im Ostergottesdienst, der nicht an Ostern stattfand, unterstützen.
Es war eine schöne aber auch eine anstrengende Woche. Aber ohne unseren Leiter, Thomas A. Friedrich, wäre sie nur halb so lustig gewesen. Wir lernten schnell bei ihm, mussten uns aber wegen ihm zwischendurch fast zu Tode lachen. Am Witzigsten an ihm war sein lustiges Dirigieren, wel-ches aus diversesten Zeichen bestand. Ich fand diese Woche wunderbar und ich werde auch in zwei Jahren wieder hin gehen, falls es möglich sein wird.
Für mich gibt es nur eine Kritik an der Solothurner Kirchenmusikwoche: Schade, dass sie nur jedes zweite Jahre stattfindet.

Christoph aus Olten, 13 Jahre alt

Sicht eines Lagerleiters
Letzte Woche habe ich etwas gemacht, was ich vorher noch nie gemacht habe. Aktivferien! Nein, nicht in einem Wellness-Resort in Ibiza oder Österreich, und auch keine Reit-, Wander- oder Velo-ferien auf Mallorca oder Sardinien. Meine Frau und ich waren ganz einfach eine Woche mit 55 Kindern zwischen 7 und 16 Jahren im Pfadiheim Solothurn.
Dank unserer beiden singenden Kids wurden wir zusammen mit sechs weiteren Erwachsenen unverhofft angefragt, ob wir beim Kinder- und Jugendchorlager der 9. Solothurner Kirchenmusikwo-che mithelfen wollten.
Es war die anstrengendste Ferienwoche seit Jahren. Aber es war auch die befriedigendste Ferienwoche seit Jahren. Mit der Verantwortung für 55 Kinder und Jugendliche lernt man im Nu abschalten und gleichzeitig voll da sein. Ob beim Schlammbad im Wald, beim Geländespiel über Stock und Stein oder beim Nachtwandern in der Verenaschlucht.
Es ist viel Arbeit, aber auch eine wunderbare Sache, den ganzen Tag nichts anderes im Sinn zu haben, als Kinder glücklich zu machen. Was gibt es Berührenderes, als wenn einem beim Röschtiznacht die Bauerntöchter Manuela und Gabriela aus Geuensee erzählen, wie jetzt zu Hause die Kartoffelernte läuft und sie einfach glücklich sind, weil sie hier sein dürfen.
Monique von Arx und Hanjörg Fischer (die hauptverantwortliche Lagerleitung) begleiten seit Jahren Kinder und Jugendliche in Lager. Sie bereiten sich stundenlang vor, haben einen unerschöpflichen Ideen-Vorrat. Sie zaubern Wunderkerzen hervor, sie kennen immer ein passendes Lied und sie wissen auch, was sagen, wenn Kinder Schmetterlinge im Bauch haben. Dies beeindruckte mich sehr.
Während die Kinder bei den Proben waren oder abends am Lagerfeuer, wenn die Kinder (endlich) schliefen oder wenigstens so taten als ob, haben wir Erwachsenen viel über Gott und die Welt diskutiert, aber auch über die vielen guten Erfahrungen, die unsere Kinder und Jugendlichen in einer solchen Lagerwoche machen können. Sie durften erfahren, dass es sich lohnt auf etwas hin zu arbeiten. Ihr gelungenes Mitwirken an Gottesdiensten und Konzerten, der Applaus und die vielen Kom-plimente stärkten sie hoffentlich nachhaltig.

Werner De Schepper, Lagerleiter
(im "normalen" Leben Blick-Chefredaktor)

Herzlichen Dank an alle, die die Durchführung der 9. Solothurner Kirchenmusikwoche ideell und finanziell unterstütz-ten: die Bistumsleitung des Bistums Basel, die Röm.-Kath. und die Christkath. Kirchgemeinde Solothurn, die Einwoh-nergemeinde Solothurn, die Rosmarie und Armin Däster-Schild Stiftung, der Verein zur Herausgabe des Röm.-Kath. Kirchengesangbuches, die Röm.-Kath. Synode des Kantons Solothurn, die Röm.-Kath. Kirche des Kantons Basel-Stadt, die Röm.-Kath. Landeskirche Aargau.

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